Die Rehabilitation Abhängigkeitskranker basiert auf dem bio-psycho-sozialen Modell und umfasst damit auch die Lebens- und Kontextbedingungen des jeweiligen Menschen, der eine Suchterkrankung aufweist. Im Falle von Müttern/Vätern/Eltern mit Kindern müssen von daher auch deren Kinder bei der Planung, Durchführung und weiteren Verstetigung des im Rehabilitationsprozess Erreichten eine entsprechende Berücksichtigung erfahren. Denn es besteht nicht nur ein Erziehungsauftrag der Eltern, sondern deren Rehabilitationserfolg – und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Rehabilitationsleistung – ist eng mit einer Stabilisierung und positiven Entwicklung der Kinder verbunden. Zudem weisen Kinder suchtkranker Eltern erhöhte Risiken auf, selbst psychische Störungen und im weiteren Lebenslauf auch Suchterkrankungen zu entwickeln. Die Entwöhnungsbehandlung eröffnet die Möglichkeit, in diesem Setting nicht nur die Eltern zu behandeln, sondern auch die Kinder hinsichtlich ihrer psychischen, sozialen, körperlichen und kognitiven Entwicklung zu fördern und die Beziehung der Eltern zu ihren Kindern zu stärken.
Das vorliegende Rahmenkonzept beschreibt zunächst die Ausgangssituation von Kindern suchtkranker Eltern. Dargestellt werden die Entwicklungsfolgen und die spezifischen Gefährdungen der Kinder, entwicklungspsychologische Aspekte und Grundbedürfnisse sowie entsprechende Risiko- und Schutzfaktoren für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Im Weiteren werden Möglichkeiten für Intervention in der stationären Entwöhnungsbehandlung mit einem vergleichsweise langen Zeitraum von drei bis sechs Monaten vorgestellt.
Insgesamt ist eine leistungsgerechte Finanzierung von Eltern mit Kindern in der Entwöhnungsbehandlung bislang nicht entsprechend geregelt und bedarf einer verbindlichen Grundlage. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, welche mit diesem spezifischen Behandlungsangebot einhergehen, ist ein Dialog von Politik, Leistungsträgern und Leistungserbringer gefordert, um zu bedarfsgerechten Lösungen zur Stabilisierung und Weiterentwicklung dieses Behandlungsangebotes zu kommen.
Die Entwicklung des vorliegenden Rahmenkonzepts wurde vom Fachverband Sucht e.V. initiiert und koordiniert und unter Mitwirkung von weiteren Expert*innen des Bundesverbandes für stationäre Suchtkrankenhilfe e.V. und aus dem Bereich der Wissenschaft entwickelt.
„Suchtprobleme in Klein- und Kleinstbetrieben“
– Ein praxisorientierter Leitfaden für Führungskräfte –
In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Klein- und Kleinstbetrieben, in denen ca. 8,7 Mio. Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Während es für größere Betriebe eine Vielzahl von Materialien und Handlungsanleitungen zum Umgang mit substanzbezogenen Störungen gibt und sich auch entsprechende betriebliche Strukturen im Bereich Gesundheitsförderung und Suchtprävention entwickelt haben, fehlen entsprechende Ansätze im Bereich der Klein- und Kleinstbetriebe weitgehend. Suchtprobleme verursachen immense volks- und betriebswirtschaftliche Kosten. Von daher stellt sich die Frage, wie die Suchtprävention gerade in Klein- und Kleinstbetrieben gefördert werden kann.
In Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. sowie weiteren Organisationen hat der Fachverband Sucht e.V. eine Broschüre entwickelt, welche praxisorientierte Informationen mit entsprechenden Fallbeispielen zu dieser speziellen Themenstellung enthält. Behandelt werden darin folgende Themen:
- Suchtprobleme am Arbeitsplatz erkennen
- Handlungsmöglichkeiten für Inhaber und Führungskräfte
- Suchtbehandlung und berufliche Wiedereingliederung
- Externe Ansprechpartner und weiterführende Informationen
In Form von Merkblättern werden zudem Hinweise zu gesetzlichen Regelungen, Auffälligkeiten einer Suchtproblematik und zur Gesprächsführung gegeben.
Wir danken dem Bundesministerium für Gesundheit für die finanzielle Förderung der Broschüre.
Broschüre (download pdf-Datei)
Nutzer-Checkliste für Internetprogramme/Apps zu psychischen Beschwerden und Problemen im Umgang mit Suchtmitteln
In Anlehnung an die bereits bestehende Patienten-Checkliste für Internetprogramme der Bundespsychotherapeutenkammer hat der FVS nun eine Nutzer-Checkliste für die Beurteilung von Internetprogrammen und Apps für psychische Probleme und substanzgebundene/-ungebundene Probleme entwickelt.
Diese Checkliste wurde auch unter Einbezug wissenschaftlicher Expertise von Prof. Dr. Harald Baumeister (Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Institut für Psychologie und Pädagogik, Universität Ulm), Prof. Dr. Christian Montag (Fakultät Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie, Institut für Psychologie und Pädagogik, Abt. Molekulare Psychologie, Universität Ulm) und Prof. Dr. Christine Knaevelsrud, (Professorin für klinisch-psychologische Intervention Freie Universität Berlin – Klinische Psychologie und Psychotherapie) erstellt.
Bei einigen der nachfolgend aufgeführten Aspekte/Fragen, die insbesondere die Überprüfung der Wirksamkeit betreffen, ist es sicherlich schwierig von Seiten des Nutzers eine Bewertung vorzunehmen. Von daher ist die Zertifizierung von Internetprogrammen und Apps, insbesondere von solchen, die über die Information hinausgehen und den Bereich der Frühintervention/Behandlung betreffen, durch eine unabhängige Organisation unter Einbezug von entsprechenden Experten/innen eine wichtige gesundheitspolitische Aufgabe.
Im Rahmen der Gesetzesinitiative des Bundesministeriums für Gesundheit für das Digitale Versorgung Gesetz (DVG) sollte aus Sicht des FVS eine Zertifizierung entsprechender Internetangebote durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vorgesehen werden. Das wäre ein wichtiger Schritt für die Einschätzung entsprechender Angebote. Entsprechend zertifizierte und wissenschaftlich geprüfte Angebote sollten dann auch allgemein zugänglich sein und bei entsprechendem Bedarf auch von Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden können.
Die Nutzer-Checkliste soll auf Basis der aktuellen Situation für die Bewertung entsprechender Angebote eine erste Hilfestellung bieten.